Universitätshauptgebäude Bielefeld 2. BA

Mit der Modernisierung des zweiten Bauabschnitts im Universitätshauptgebäude (UHG) Bielefeld wird eines der größten Hochschulgebäude Europas zukunftsfähig gemacht. Die Zentrale Technik übernimmt dabei die Generalplanung und koordiniert ein hochkomplexes Zusammenspiel aus Bestandsanalyse, Schadstoffsanierung, Nutzeranforderungen, BIM-Planung und baulicher Umsetzung im laufenden Universitätsbetrieb.
  • 3D-Luftbildvisualisierung des UHG Bielefeld mit mehreren Gebäuden, Innenhöfen und weitläufigem Campusgelände © ZÜBLIN
    3D-Luftbildvisualisierung des UHG Bielefeld mit mehreren Gebäuden, Innenhöfen und weitläufigem Campusgelände © ZÜBLIN
Auftraggeber
Bau- und Liegenschaftsbetrieb Nordrhein-Westfalen
Auftragnehmer
Ed. Züblin AG - Direktion NRW, Bereich Dortmund
Standort
Bielefeld
Beteiligung ZT
Seit Juni 2021
Bauwerksart
Verwaltungsgebäude
Bauweise
Stahlskelettbauweise mit Fertigteildecken und Stahlbetonkernen, Bauen im Bestand
Eingangsbereich des UHG Bielefeld bei Dämmerung mit beleuchteter Glasfassade. © Andreas Secci

Operation am offenen Herzen

Das Universitätshauptgebäude Bielefeld wurde in den 1970er-Jahren errichtet und zählt mit einer zusammenhängenden Bruttogeschossfläche von 314.000 m2 zu den größten Gebäuden Europas. Die Weiterentwicklung funktionaler, baulicher und energetischer Standards ebnete den Weg für eine umfassende Modernisierung. Das Ziel: Die schlüsselfertige Umsetzung des zweiten Bauabschnitts des UHG nach heutigen gesetzlichen und technischen Anforderungen. Die Maßnahme umfasst zunächst die Bauteiltrennung und anschließend die eigentliche Modernisierung.

Visualisierung des mehrteiligen Neubaus des UHG Bielefeld mit moderner Fassadengestaltung und großzügigen Freiflächen © ZÜBLIN

Modernisierung eines Superlativs

Eine der größten Herausforderungen liegt im Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz und der großen Menge an Bestandsplanung. Die bestehende Rohbaukonstruktion ist effektiv geplant, besteht jedoch aus unterschiedlichen Bausystemen und Bauteilen aus der Herstellzeit. Stahlhohlprofile, historische Stahlsorten, Betongüten und Bemessungsparameter variieren, sodass diese sorgfältig analysiert und in die neue Planung überführt werden mussten. Hinzu kommen geringe Tragreserven sowie zahlreiche technische und bauordnungsrechtliche Schnittstellen zum restlichen Universitätshauptgebäude.

Für die Bauteiltrennung wird der zweite Bauabschnitt zunächst brandschutztechnisch und anlagentechnisch vom übrigen Gebäude abgekoppelt. Diese Arbeiten erfolgen unter laufendem Universitätsbetrieb und erfordern eine besonders präzise Abstimmung zwischen Planung, Ausführung und dem Betrieb.

  • Die Komplexität des UHG lässt sich nur vor Ort vollständig erfassen. Durch intensive Bauwerksuntersuchungen und den Abgleich der Bestandsunterlagen mit dem tatsächlichen Bauzustand schufen wir die Grundlage für eine verlässliche Planung.

    Mareike Oelerich
    Projektleiterin Generalplanung, Zentrale Technik
Visualisierung des verglasten Atriumdachs im UHG Bielefeld © ZÜBLIN

Unsere Generalplanung als zentrale Schnittstelle

Die Generalplanung der Zentralen Technik übernimmt die gesamtheitliche Koordination des Planungsprozesses und agiert als zentrale Schnittstelle zwischen den Projektbeteiligten.
Die vielfältigen Anforderungen des Bauens im Bestand sowie die nutzungsspezifischen und betrieblichen Rahmenbedingungen werden in einem strukturierten Planungsprozess zusammengeführt und schrittweise in umsetzbare Lösungen für die Bauausführung übersetzt. Die Leistungsphasen 1 bis 4 sind bereits abgeschlossen und an den Auftraggeber übergeben. Mit der bevorstehenden Fertigstellung der Ausführungsplanung wird das Projekt einen weiteren wichtigen Meilenstein erreichen.

Modell des Atriums im UHG Bielefeld mit großzügiger Stahl-Glas-Dachkonstruktion und offenen Galerieebenen © ZÜBLIN

BIM, Bestand und gemeinsames Prozessverständnis

Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die strukturierte Zusammenarbeit eines großen interdisziplinären Planungsteams. Insgesamt waren sieben Einheiten der Zentralen Technik sowie externe Planer:innen und Gutachter:innen eingebunden und zu Spitzenzeiten arbeiteten bis zu 90 Fachplaner:innen gleichzeitig am Projekt. Die BIM-Arbeitsweise ermöglicht die Zusammenführung aller technischen Aspekte und erleichtert die Planung und Koordination. Besonders durchdacht ist die Integration relevanter Teile der Bestandsplanung in das Revit-Modell. Dadurch lassen sich vorhandene Informationen strukturieren, überprüfen und für die weitere Planung nutzbar machen.

Visualisierung des UHG Bielefeld mit modernem Gebäudeflügel, außenliegender Fluchttreppe und strukturierter Fassadengestaltung © ZÜBLIN

Integrale Planung für ein zukunftsfähiges Hochschulgebäude

Das Projekt zeigt, welche Bedeutung eine wirtschaftliche, integrale Planung bei der Modernisierung großer Bestandsgebäude hat. Erfahrungen aus dem ersten Bauabschnitt, die enge Zusammenarbeit innerhalb der Zentralen Technik und die Fähigkeit, komplexe Bestandsinformationen in belastbare Planungsstrukturen zu überführen, tragen entscheidend zum Projekterfolg bei. Die Modernisierung des UHG Bielefeld ist damit weit mehr als eine bauliche Erneuerung: Sie ist ein Beispiel dafür, wie ein hochverdichteter Hochschulstandort im laufenden Betrieb technisch, funktional und energetisch auf die Zukunft vorbereitet werden kann.

Leistungen

  • Ingenieurleistungen nach HOAI
    • Leistungsphase 1: Grundlagenermittlung
    • Leistungsphase 2: Vorplanung
    • Leistungsphase 3: Entwurfsplanung
    • Leistungsphase 4: Genehmigungsplanung
    • Leistungsphase 5: Ausführungsplanung
    • Leistungsphase 6: Vorbereitung der Vergabe
    • Leistungsphase 7: Mitwirkung der Vergabe
  • Generalplanung
    • Objektplanung
    • Fassadenfachplanung
    • Laborplanung
    • Freiraumplanung
    • Tragwerksplanung
    • Planung der Technischen Gebäudeausrüstung
    • Bauphysik
    • Brandschutzplanung
    • Vermessung
    • Schadstoffgutachten
    • Schadstoffsanierungskonzept
    • Baulogistik-Konzept
    • BIM-Gesamtkoordination & -Management
    • Quick-Check Nachhaltigkeit
    • Inbetriebnahmemanagement
    • Windgutachten
    • Schwingungsgutachten
  • Smart Engineering
    • BIM-Management
    • BIM Gesamtkoordination
    • Aufsetzung und Koordination der BIM-Prozesse für Bauen im Bestand
    • Bauteiltracking (Fassade und Fertigteilbrüstungen)
    • Unterstützung der operativen Einheit bei der Vorbereitung der Fachmodelle für die Mengenermittlung